Wir haben 5 Wochen lang das Familienleben gemanagt. Wir haben uns organisiert, für meine Süsse haben wir täglich ein Tagesprogramm zusammengestellt. Wir haben jeden Tag strukturiert – es gab Lernphasen mit Rechnen, Lesen, Schreiben und Sport, genug Pausen, gemeinsamen Radtouren, Picknicks und Koch- und Backspass. Wir haben und das darf ich ganz ehrlich sagen, viele bereichernde Momente als Familie erlebt. Ich sehe diese Zeit nach wie vor als Chance. Diese Entschleunigung und das bewusste Innehalten. Ich gebe zu, es ist anspruchsvoll, vor allem nach so langer Zeit. Ich habe so viel Arbeit und so viele Pendenzen bei meiner Arbeit, ich bin überaus ausgelastet und auch belastet. Wenn ich nicht meinen Partner hätte, der mich in Bezug auf die Betreuung meiner Süssen unterstützt hätte, dann wäre das Arbeitspensum mit der Betreuung meiner Süssen zu Hause in der Katastrophe geendet und für mich unmöglich geworden. Und ich war voll ausgelastet mit der Corona-Krisenkommunikation für meinen Arbeitgeber. Dennoch, es war gut. Es war schön. Es war anspruchsvoll. Und es war eine Chance.

Fernunterricht als zusätzliche Herausforderung

Nun seit Montag haben wir neu den Fernunterricht. Nun kommt der Tagesplan von der Schule. Rechnen, Deutsch, Singen und Realien sind alles Fächer, die sich gut in unseren Tagesplan integrieren lassen. Jetzt geht die Schule «weiter», nun dürfen wieder neue Dinge gelernt werden. Neu wird wieder verlangt, dass strukturiert oder angeleitet gelernt werden soll. Und so heisst es, dass das Pensum oder die Aufgaben weitestgehend von den Kindern alleine und selbstständig erledigt werden können. Da tun sich meines Erachtens aber schon Gräben auf.

Welche 1. und 2. Klässler können selbstorganisiert Punkt für Punkt Aufträge erledigen?

Wie viele 1. und 2. Klässler können denn wirklich selbständig Aufträge Punkt für Punkt zu verschiedenen Fächern alleine erledigen? Meine Tochter benötigt eine genaue Führung und Anleitung. Ohne das geht’s einfach nicht. Und da ist die Herausforderung angesetzt. Ich sollte im Homeoffice arbeiten und gleichzeitig nun meine Tochter nach striktem Lern- und Fernunterrichtplan betreuen. Irgendwie geht das nicht auf. Und von der Schule wird jetzt erwartet, dass die Aufgaben nun erledigt werden. Sie sind nämlich nicht mehr freiwillig. Da ist nun auch der Haken. Rechnen, Deutsch, Singen und Realien sind als Kernfächer auch kein Problem. Hier haben wir schon immer ein grosses Engagement als Eltern geleistet und es macht auch Spass mit ihr zu arbeiten.

Werken als Beschäftigungsprogramm für Eltern

Doch was ist mit dem Fach Werken? Da hätte meine Tochter doch einen Hasenkopf modellieren sollen. Sie als knapp 8-Jährige kann das nicht allein. Es braucht intensive und gezielte Anleitung von mir. Das Problem – ihr machts keinen Spass und ich bastle nicht gern auf Auftrag für die Schule irgendwelche Dinge, die eh nur im Abfallkübel landen. Ich bastle mit meiner Süssen sehr gern. Wir haben zum Beispiel grad Betonhasen gegossen oder aus Aludosen Krönchen gemacht. Auch haben wir gekocht und gebacken. Aber ganz ehrlich ein Beschäftigungsprogramm für mich und auch uns beide brauche ich nicht. Ich bin gut ausgelastet mit meinem Job, dem Haushalt und der Betreuung und Begleitung meiner Süssen. Und wenn ich denn mal Zeit habe, werde ich bestimmt nicht auf Auftrag etwas basteln, das mir eh keine Freude macht. Das überträgt sich grad auch auf meine Süsse.

Gezielte Aufgaben – aber bitte mit Fokus auf Kernfächer

Ich kann grundsätzlich sagen, dass ich froh bin, dass jetzt gezielter und mehr Vorgaben von der Schule kommen. Ich bin aber sehr dezidiert der Meinung, dass man in diesen Fernunterricht klar auf die Kernfächer fokussieren sollte. Werken gehört nicht zu den Kernfächern und kann nach meinem Gutdünken auch gut aufgeschoben werden auf die Zeit, wenn der Unterricht wieder stattfindet.

Anpassung des 3-Phasenplans der Schule Aargau zwingend notwendig

Dass der Unterricht erst nach 5 Wochen strukturierter vorgegeben wird von der Schule und dass die Kinder wieder Neues lernen dürfen, finde ich super. Ich bin aber entsetzt, dass man vorher 3-5 Wochen einfach alleine gelassen wurde und selber die ganze Betreuungsaufgabe inkl. Freiwilliger Repetition übernehmen und organisieren musste. Der Kontakt zu den Lehrpersonen war minimal. Mich erstaunt dies. Und ich sehe diese 3 Phasenplanung, die vom Kanton vorgegeben wurde, sehr kritisch. Diese Notfallphasenplanung muss auf politischer Ebene zwingend angepasst werden. So eine struktur- und organisationslose Situation der Aargauer Schulen ist in Zukunft zu vermeiden. Der Kanton hat das Gesetz entsprechend anzupassen und die Schulen sind angehalten Konzepte zu entwickeln, dass der Unterricht jederzeit und kurzfristig auf Fern- und Online-Unterricht umgestellt werden kann.