In den letzten 8 Wochen war ich als berufstätiges Mami im Homeoffice und habe neben meiner 80% Tätigkeit in der Kommunikation, die Beschäftigung meiner Süssen organisiert, eingekauft für uns, eingekauft für meine Mama, den Haushalt geschmissen, das Freizeitprogramm ausgedacht und für Strukturen gesorgt. Ich hatte zum Glück die grosse Unterstützung von meinem Schatz, aber es war eine anspruchsvolle, intensive, herausfordernde und anstrengende Zeit. Es ist nicht ohne von 100 auf 0 den eingespielten Schul- und Arbeitsalltag plötzlich komplett neu zu gestalten, die Nerven nicht komplett zu verlieren und alle bei Laune zu halten. Gleichzeitig durfte ich neben meinem normalen Job noch die Krisenkommunikation zum Coronavirus für meinen Arbeitgeber machen. Also definitiv keine Plämperli-Zeit.

Tagesplan für mehr Struktur

Als die geregelte Schule ausfiel haben wir einen detaillierten und umfangreichen Tagesplan eingeführt und diesen jeden Abend für den nächsten Tag mit meiner Süssen angeschaut und besprochen. Wir haben so klare Strukturen geschaffen und das hat uns allen geholfen.

Der Tagesplan bis nach den Frühlingsferien sah etwa so aus:

8.00 – 8.30Frühstück
8.30 – 9.15Rechnen
9.15 – 10.00Turnen im Garten
10.00 – 10.45Deutsch (Schreiben, Leseverständnis, etc.)
10.45 – 11.30Pause
11.30 – 12.00Mittagessen kochen helfen
12.00 – 13.30Mittagspause
13.30 – 17.00Radfahren, Spielen, Basteln, Lesen, Tanzen, CDs hören, etc.
17.00 – 18.00Abendessen kochen helfen

Zweimal die Woche haben wir gemeinsam gekocht oder ich wurde bekocht. Am Nachmittag gabs meistens Bewegung draussen. Wir haben den gewohnten und seit 5 Jahren gelebten Betreuungs- und Wochenrhythmus beibehalten und auch in den Frühlingsferien einfach den neu organisierten Alltag gelebt. Struktur. Das war das wichtigste für unsere Süsse. Wir waren so alle zufrieden. Reibereien gabs wenige und obwohl wir so eng aufeinander gehockt sind, hats gut geklappt. Aber und das möchte ich betonen ohne Unterstützung von meinem Schatz hätte ich unmöglich den enormen Berg an Arbeit und die Betreuung und Beschäftigung meiner Süssen geschafft. Schlicht ein Ding der Unmöglichkeit.

Fernunterricht – Erwartungen nicht erfüllt

In den ersten 3 Wochen des Lockdowns wurden von der Schule nur wenige freiwillige Arbeiten zur Verfügung gestellt. Wir waren seit Beginn motiviert und haben freiwillig intensiv ganz viel mehr mit unserer Süssen gearbeitet. Nach den Frühlingsferien gings mit dem Fernunterricht los. Wir waren voller Erwartung. Der Fernunterricht war zwar etwas besser organisiert, aber ich hatte das Gefühl, dass es viel weniger strukturiert war, als wir es uns von den 5 Wochen zuvor und unserer eigenen Struktur gewohnt waren. Und die Menge an Arbeiten und Aufträgen – jetzt nicht mehr freiwillig – hielt sich auch sehr in Grenzen.

Selbstmanagement für 2. Klässler?

Es wurde uns mitgeteilt, dass die Kinder – unsere Süsse geht in die 2. Klasse – die Aufgaben selbständig erledigen können sollen. Ich habe aber festgestellt, dass das Selbstmanagement für meine Süsse einfach zu anspruchsvoll ist und sie sich selber noch nicht organisieren und auch die Aufträge im Rahmen des Tagesauftrags der Lehrerin nicht eigenverantwortlich angehen kann. Sie hat da klar unsere Führung und Unterstützung gebraucht. Und wie ich von anderen Eltern erfahren habe, waren wir nicht die Ausnahme.

Wir sind alle extrem gefordert

Ich habe mit Unterstützung von meinem Schatz den Unterrichts- und Lehrauftrag übernommen. Nicht freiwillig wohlverstanden. Und ich bin keine ausschliessliche Lehrperson. Ich habe noch weitere Verpflichtungen und als berufstätiges Mami sowieso generell das Kunststück zu erbringen Beruf und Familie zu vereinbaren. Ich war und bin durchaus bereit mit meiner Süssen zu rechnen und Deutsch zu lernen. Aber als dann die Lehrer noch das Gefühl hatten, mich mit Bastel-Aufträgen zu beschäftigen, habe ich dann wirklich rot gesehen. Ich habe das unmissverständlich bemerkt und wurde dann als überfordert abgestempelt. Es ist äusserst schade, dass hier nicht mehr Wohlwollen von den Schulen kommt. Dass von den Lehrpersonen nicht mehr Verständnis gezeigt wird für diese ausserordentliche Situation in den Familien und bei Eltern, die gerade extrem gefordert sind. Und wenn du nicht mitmachst, heisst es: „Schade, für das Kind.“ Und wenn du mitmachst, heisst es: „Schön, dass das Kind doch noch mitmachen konnte.“ Ich finde das herablassend. So wie wenn solche Bastelarbeiten überlebensnotwendig sind. Hier fehlt definitiv das Fingerspitzengefühl.

Mehr Wertschätzung und Akzeptanz

Wir sollten Wertschätzung erhalten. Also: «Ein Hoch auf uns!» So sollte es sein. Wir sollten beglückwünscht, gelobt und gefeiert werden. Was berufstätige Eltern in den letzten bald 8 Wochen geleistet haben in einem Alltag, der alles andere als normal ist, der uns in überaus grossem Mass fordert, ist unglaublich. Ein neuer Alltag, der uns an die Grenzen bringt, der aber gleichzeitig wundervoll ist, bereichernd, voller Chancen und Zeit als Familie. Wir sollten auch mal beklatscht werden. Wir sollten auch mal einen grossen Dank von den Schulen, den Arbeitgebern, der Gesellschaft erhalten. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass wir als Eltern die enorme Belastung mit Job, Haushalt und Homeschooling rsp. Betreuung und Beschäftigung der Kinder einfach so ohne mir nichts dir nichts leisten können und funktionieren. Es ist mega toll, wie wir uns durchgeschlagen haben als ErsatzlehrerIn, Mutter, Berufsfrau. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen versucht, diese zusätzlichen Pflichtaufträge der Schule auch noch unter einen Hut zu bringen. Wir haben ja (nicht) Unmengen von freier Zeit zur Verfügung.

Drum ein Hoch auf uns! Ein Hoch auf wie wir alles meistern im Moment und ein Hoch auf unsere Stärke, Kreativität und guten Nerven, die wir definitiv alle brauchen.