Ich vor 10 Jahren!

In den letzten Wochen bin ich immer wiedern über den Hashtag #10yearChallenge gestolpert. Ich habe mir dann gleich überlegt, wo denn nun Fotos von mir von vor 10 Jahren sind. Aber viel mehr beschäftigt mich gerade der Gedanke, wer war ich vor 10 Jahren und wer bin ich heute. Und ums grad vorwegzunehmen, heute gefalle ich mir dann schon einiges besser, sei es optisch, aber auch wo ich gerade im Leben stehe.

Auf dem Boot im Central Park ist flüchten unmöglich.

Vor 10 Jahren war ich überspitzt gesagt, noch nicht so reif, vielleicht sogar sehr naiv und eher unsicher und entsprechend wurde ich auch unselbstständig gemacht. Ich war damals bereits in der Beziehung zu meinen späteren Mann und wir hatten uns in New York verlobt, auf dem See im Central Park mit dem berühmten Boathouse. Flüchten unmöglich. Und so war es irgendwie in jener Zeit auch. Mir war noch nicht so klar, was ich denn persönlich möchte im Leben, sondern eher was sich so gehört. Zum Beispiel gehört es sich, zu heiraten – mit der Verlobung war das vorgespurt, dann Haus kaufen, Kinder kriegen und in Friede und Freude auf dem Land leben. So bin ich ja auch aufgewachsen und ich hab mir irgendwie nicht so oft Gedanken darüber gemacht, was ich denn für mich wirklich will. Mit der Verlobung ging ja letztlich auch ein Traum in Erfüllung – damals dachte ich ernsthaft, Heiraten und Kinderkriegen gehören in meinen Lebensplan. Gut ein Kind hab ich mir von Herzen gewünscht und ja, meine kleine Süsse ist ja auch ein Traum, aber die Konsequenzen dazu hab ich mir nicht überlegt. Ich war irgendwie noch nicht in der Selbstliebe und Achtsamkeit.

Ich konnte zwar meine Bedürfnisse benennen, aber sie auch umsetzen? Irgendwie fehlte mir das Bewusstsein für mich. Wie auch immer, vor 10 Jahren sass ich also auf dem Boot auf dem See im Central Park und hab den Antrag angenommen. Im Glauben, jetzt wird endlich alles gut. Auf die Hochzeit musste ich dann nochmals 2 Jahre warten und auch bis dahin viele Kompromisse eingehen. Erst jetzt sehe ich, dass ich bereits damals mehr zu mir hätte stehen sollen. Dann wär ich heute vielleicht an einem anderen Punkt. Aber damals kannte ich meine Werte, meine Grenzen und meine Bedürfnisse nur am Rand und hab sie grundsätzlich weder gross benennen noch durchsetzen können. Weil es sich einfach so gehört. So war das Rollenbild, das mir vermittelt wurde. Papa ist der Chef, Mama macht, was er sagt. Und der Rest der Familie auch. Und ich war in der Angst – mit bald 32 ohne Partner – ich sah meinen Wunsch nach Kind davon schwimmen und habs dann nicht gemacht, sondern hab gekämpft.

Erst nach der Hochzeit und als es einfach nicht besser werden wollte und ich Zuhause beim Betreuen meiner süssen Kleinen – genug Zeit zum Nachdenken hatte, habe ich gemerkt, dass ich mehr will im Leben, als dieses und da hab ich mich freigestrampelt und mich letztlich getrennt.

Und ich bin einfach zufrieden, glücklich und dankbar für meinen Weg und dieses Leben.

In den letzten 5 Jahren extrem stark an meiner Selbstliebe, Selbstheilung und meinem Selbstbewusstsein gearbeitet. Ich bin stark und ich schaffs effektiv allein. Und ich bin einfach zufrieden, glücklich und dankbar für meinen Weg und dieses Leben. Ich hatte lange keinen Partner an meiner Seite, ich habe mir einen schönen und gut gepflegten Freundeskreis aufgebaut und ich geniesse die Zeit mit meiner Tochter, meiner Familie, heute auch meinem Partner und meinen Freundinnen und Freunden, die mich jetzt entspannter und glücklicher – eben freier erleben.

Voller Lebensenergie und Freude – ich 2019!

Ich möchte also um keinen Preis zurück. Nur vorwärts. Dieses wunderbare Leben auskosten. Das Leben geniessen und aufsaugen. Jeden Moment. Jeden Tag. Dankbar.

Als meine Tochter ein Jahr alt war, hatte ich die Möglichkeit wieder Teilzeit für eine politische Organisation zu arbeiten. Zwei Tage war ich im Büro, ein Tag konnte ich von zu Hause aus arbeiten. Meine Süsse wurde einen Tag von den Grosseltern und einen Tag in der KITA betreut. Sie war gut aufgehoben. Auch nach der Trennung wurde diese Betreuung weitergeführt – zusätzlich übernahm der Papi noch auf einen Betreuungstag. Für mich bedeutete dies, dass ich mindestens 50% arbeiten konnte/musste und entsprechend habe ich die Arbeitstage und Zeiten angepasst. Bis zum Eintritt in den Kindergarten hat die Betreuung so auch funktioniert.

Flexibilität im Alltag ist gefordert

Mit dem Eintritt in den Kindergarten ändert sich dann aber alles wieder. Die Betreuung – Mittagstisch – Randstundenbetreuung – Betreuung durch Grosseltern, etc. muss neu angeschaut werden. Auch ändern sich die Startzeiten – die Krippe hat bereits ab 6.30 offen, der Kindergarten beginnt um 8.15 Uhr. Bedeutet, man ist ab sofort erst um 9 Uhr bei der Arbeit und muss entsprechend vielleicht um 11.15 wieder los, um pünktlich das Kind wieder in Empfang zu nehmen.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine grosse Herausforderung, die von allen Flexibilität erfordert. Und die vor allem nicht aufhört, sondern mit dem Grösserwerden der Kinder noch komplexer wird. Denn ist man auch organisiert – gut und gerne ändert der Stundenplan, sind Tage plötzlich Schulfrei wegen Lehrerfortbildung oder irgend ein Kantonaler Feiertag – von dem der Arbeitgeber – da in einem anderen Kanton – nichts weiss, steht an.

Im Aargau gibt es seit Juni 2016 ein Gesetz, dass verlangt, dass Gemeinden den Bedarf an Familienergänzender Kinderbetreuung prüfen und entsprechend auch aufbauen. In unserer Gemeinde gibt es zum Glück ein grosszügiges Angebot. Einzig die Morgenbetreuung fehlt.

Frauen, die nach der Geburt ihrer Kinder beruflich benachteiligt, ja diskriminiert werden, dieses Thema ist nicht neu – es ist immer latent da – wurde aber gerade in diesen Tagen wieder gross von einer Schweizer Tageszeitung aufgerollt. Die Wirtschaft und Politik in der Schweiz tut sich nach wie vor schwer mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gut ausgebildete Frauen bleiben zu Hause, weil es entweder keine Teilzeitjobs gibt und eine Weiterbeschäftigung am bestehenden Arbeitsplatz nicht möglich ist oder der minimale Lohn die ganzen Fremdbetreuungskosten auffrisst und dies in Zeiten vom vielbeschworenen Fachkräftemangel. Wir können es uns anscheinend leisten, gut ausgebildete Mütter besser hinter dem Herd als an einem Teilzeitarbeitsplatz zu integrieren. Dies obwohl es den Staat viel Geld kostet für die Ausbildung dieser qualifizierten Frauen und dies obwohl die Mütter gerne in einem Teilzeitpensum arbeiten würden.

100% weiterarbeiten – oder gar nicht

Auch ich konnte meine Stelle nicht behalten nach der Geburt meiner Tochter – das heisst, ich hätte sie behalten können, wenn ich 100 Prozent weitergearbeitet hätte. Ich hab, als ich mitgeteilt hab, dass ich schwanger bin, gleich signalisiert, dass ich 60 Prozent weiterarbeiten möchte. Anstatt mit mir darüber zu sprechen, habe ich Wochen später – oder 5 Monate vor dem errechneten Geburtstermin die Stellenausschreibung für meine Stelle gesehen – unbefristet, 100%. Ich musste also noch 5 Monate weiterarbeiten und dies war recht unmotivierend. Solche Entscheide, Teilzeitarbeit sei nicht möglich, man müsse immer zu 100% verfügbar und erreichbar sein – ist selbst im PR-Umfeld heute nicht mehr üblich.

Ich hab brav bis 2 Tage vor der Niederkunft gearbeitet. Sauber meine Projekte abgeschlossen und übergeben. Mein Nachfolger hatte keine Ahnung und ich musste sogar mal noch während des Mutterschutzes eine Einführung machen. Er hat nicht mal ein Jahr dort gearbeitet…

Teilzeitstellen gibt’s kaum

Ich bin ein Jahr zu Hause geblieben, hab mich um meine Kleine gekümmert und mich irgendwann zu bewerben begonnen. Teilzeitstellen im Markt ausgeschrieben – gibt’s nicht oder kaum. Sie sind so heiss begehrt, dass man sich die Chancen, die Stelle zu erhalten, auch gleich ausrechnen kann. Ich hatte Glück und habe eine Teilzeitstelle im politischen Umfeld gefunden. Ich konnte Beruf und Familie für eine Weile perfekt vereinen. Ich hab mit so einer Leidenschaft und Freude gearbeitet, das ging weit über das nötige hinaus. Doch ich hab es geliebt.

Die Arbeitgeber sehen immer nur mögliche Probleme – ach Frauen mit kleinen Kindern fehlen oft am Arbeitsplatz, haben immer ein krankes Kind zu Hause oder sind selber oft krank. Das ist viel zu kompliziert. Damit verkennen die Arbeitgeber aber, dass genau diese Mütter dankbar sind für die Teilzeitanstellung und eben über das Nötige hinaus einen grossen Einsatz leisten. Sie kommen, arbeiten effizient und sauber und haben keine Zeit zu vertrödeln. Mamis, die Teilzeit arbeiten dürfen, sind dankbar, loyal und bleiben dem Unternehmen oft länger erhalten.

Unternehmen können profitieren

Wenn der Arbeitgeberverband nun sagt, sie seien für teilzeitarbeitende Mütter, dann mag das die Verbandsgesinnung sein, die Unternehmen handhaben dies leider noch ziemlich rückständig. Wenn dann auch noch Frauen ohne Kinder Frauen mit Kindern diskriminieren und nicht einstellen, dann ist das ein ziemlich grosses Armutszeugnis. Neue Arbeitszeitmodelle, Homeoffice, Teilzeitarbeit oder Arbeiten 4.0 – all dies bleibt Wunschdenken, wenn nicht die Unternehmen ihre Verantwortung wahrnehmen und von den gut ausgebildeten Müttern profitieren anstatt sie zu diskriminieren.

Im Moment bin ich so voll dabei zu entrümpeln, aufzuräumen, umzuorganisieren und Ordnung zu schaffen. Ich habe auch das Marie Kondo Prinzip auf Netflix angeschaut und festgestellt ich hab automatisch ein sehr ähnliches Prinzip angewendet. Ich hab zwar nicht jedem Kleidungsstück oder Gegenstand Danke gesagt, aber doch effizient Ordnung geschafft und war schon 2x in der Entsorgung und hab schon 2x Bücher ins Bücherbrocki gebracht. Auch habe ich alte Kleider meiner Tochter nach Grösse sortiert weitergegeben und sogar noch etwas Geld dafür erhalten. Ich werde nun noch die Spielsachen mit meiner Tochter aussortieren, damit wir auch in ihrem Zimmer weniger altes Zeugs haben, mit dem sie nicht mehr spielt.

Gutes Gefühl beim entrümpeln

Das Marie Kondo-Prinzip hat mir aber insofern geholfen, dass ich jetzt überall Plastik-Boxen von IKEA verwende, um Ordnung zu schaffen und dass ich effizienter und einfacher Dinge entsorgen kann, die mir keine oder nur wenig Freude bereiten und ohne die ich gut leben kann, da ich sie schon lange nicht mehr gebraucht hab. Dieses Ordnung schaffen, setzt auch Energie frei und macht effektiv Raum für Neues. Ich fühle mich effektiv leichter und mit weniger Ballast und Gerümpel, den man nicht braucht.

Zu Ehren meines Grossmamis

Auch habe ich im Zuge der Umorganisierung gleich mein Wohnzimmer aufgepeppt und den Spielsachen-Anteil im Wohnbereich reduziert. Ich habe das Buffet meiner Grossmutter im Braun-50er-Jahre-Stil nun als I-Catcher in den Wohnraum aufgenommen. Da es mit seinem dominanten starken Braun als Einzelstück zur Geltung kommen soll, habe ich den Rest des Wohnzimmers eher schlicht in Weiss-Beige-Braun Tönen gehalten. Das Wohnzimmer wirkt nun frisch und das alte Buffet meiner Grossmutter kommt perfekt zur Geltung. Ich habe mir dies schon lange gewünscht und freue mich nun über das tolle Ergebnis.

Geht es euch auch so? Ende Jahr habe ich immer den Wunsch zur Ruhe zu kommen und das vergangene Jahr abzuschliessen, um mich voller Kraft und positiver Energie in die nächsten 12 Monate zu gehen. Dieses Jahr war es wie verhext, ich war getrieben, vom Wunsch den Fokus zu finden – und habs klar nicht geschafft. Ich war ruhelos und unglücklich mit mir selber. Bis ich ins Fitness ging und auf dem Laufband mich mal richtig ausgepowert hab. Dies 2 Tage hintereinander, plötzlich wars klar. Sonnenklar und so einfach.

Er war wieder da mein Fokus und ich kann und konnte es mir einfach nicht erklären, wie er jetzt plötzlich wieder da sein konnte. Getan hab ich ja eigentlich nichts anderes als sonst. Oder doch? Ich hab mich etwas rausgenommen aus dem Hamsterrrad der verirrten Gedanken, Probleme, Ziele und Wünsche. Ich hab das auf dem Laufband einfach mal sein lassen und in meinen Körper gehört.

Wie fühlt es sich an zu rennen, jeder Schritt, jeder Atemzug? Wie fühle ich mich danach, wenn der Schweiss tropft und ich glühe? Zu Hause hab ich es dann auch ruhiger genommen, nichts gedacht, einfach langsam gemacht, Tee getrunken, gekocht, die Ruhe angenommen. Und damit hab ich mir den Raum gegeben. Und mit dem Raum und dem Nicht-Denken hab ich all die verirrten Gedanken sortiert. Das fühlt sich grad so gut an, so stark und so befreiend.

Ich hatte mir jahrelang Gedanken darüber gemacht, was denn meine Werte sind, wo liegen meine Grenzen und wie stehe ich für mich ein. Und es fiel mir so schwer Worte zu mir zu finden, Worte, die mich beschreiben und zu denen ich stehen kann. Oder Werte zu definieren, die mir wichtig sind und die ich auch meiner Tochter weitergeben will.

Jahrelang habe ich es als extrem schwierig empfunden, diese Gratwanderung zwischen Nachgeben und Grenzen setzen, auf der Suche nach den Grenzen, Werten und Erziehungsstil zugunsten der Beziehung zu meiner Tochter. Und plötzlich – eines Abends sind die Worte einfach so rausgesprudelt. Ich kann mir auch hier nicht erklären, weshalb es genau an diesem Abend funktioniert hat. Aber plötzlich hatte ich eine lange Liste an Adjektiven, die mich beschreiben. Und ich war glücklich. Glücklich, dass ich mich endlich beschreiben konnte und zugleich dankbar, dass ich mich endlich sehen kann. Gleichzeitig definieren sich daraus auch klar die Grenzen und Werte und damit hab ich nun alles in der Hand was ich brauche – um eine gute Mutter für meine Tochter zu sein, eine liebevolle Beziehung zu ihr zu haben und trotzdem die Grenzen setzen zu dürfen, eine Partnerin sein zu können, die weiss was sie will, weiss, wer sie ist und dies in Weiblichkeit, stark und verletzlich, weich und selbstbewusst.

Der Prozess war und ist wichtig – für die Selbstliebe aber auch um immer wieder den Fokus zu finden. Auch mir gelingt es nicht jeden Tag gleich gut.

Aber je länger je besser gelingt es mir mich rauszunehmen aus dem Hamsterrad der Verpflichtungen und Innezuhalten, auf meinen Körper zu hören und somit mich zu besinnen und den Fokus wiederzufinden. Diese Achtsamkeit, dieses Erkennen ist sehr wertvoll und dies möchte ich auch im laufenden Jahr noch mehr trainieren.

Gut, wenns regnet am Sonntag, dann könnte man einfach im Bett bleiben. Aber mit Kind geht das nicht. Auch wenn ich die Hoffnung hatte, sie schläft länger, ist sie natürlich schon um 7.15 Uhr aufgestanden. Also nicht mal ausschlafen ist drin gelegen. Meine Süsse hält einem schon Sonntagsfrüh ziemlich auf trapp. Wir haben also gefrühstückt, Spiele gespielt und ich durfte dann zuerst mal im Regen bei 2°C auf eine 6 Km-Laufrunde.

Und dann haben wir gebacken. Ein geeignetes Schlecht-Wetter-ohne-Fernseher-Programm. Wir haben gemeinsam einen Gugelhopf gebacken und meine Eltern zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Meine Tochter ist ja immer voll dabei, wenn sie mit mir backen oder kochen darf. Sie steht dann konzentriert und gespannt auf dem Treppchen neben mir und hilft mir wo es nur geht. Sie ist ganz begeistert bei der Sache und es macht auch immer mehr Spass! Jetzt wiegt sie das Mehl ab, schlägt selber die Eier in den Topf und rührt selber mit dem Rührgerät. Es ist so schön zu sehen, wie sie sich entwickelt, sie mich kopiert und wie schnell sie lernt.

Marroni-Gugelhopf – ausnahmsweise hat sogar meine Tochter davon gegessen!

Und der Kuchen hat mmmh so fein geduftet und auch geschmeckt. Das Sonntags-Regen-Programm hat alle also ganz happy und letztlich auch müde gemacht.

Jedes Jahr im Januar überkommt mich die Sehnsucht nach meinen Ballerinas. Ich träume dann davon, wie ich in Jeans, Ballerinas, leichtem Pulli und Sonnenbrille durch Nizza spaziere und die wärmende Sonne im Gesicht spüre, den Frühling einatmen darf. Meistens habe ich im Januar bereits genug vom Winter und kanns kaum erwarten, bis der Frühling kommt. Diese schmuddlige Zeit nach dem Jahreswechsel, wos noch so dunkel ist, regnerisch und kalt, mag ich gar nicht. Meistens liegt ja nicht mal Schnee bei uns und wenn, dann ist nach dem Chaos auf den Strassen nach zwei Tagen alles wieder vorbei. Auch fehlt mir die Sonne und das trübt alles meine Stimmung.

In diesem Jahr ist zwar das Ballerina-Fieber nicht so gross, wahrscheinlich weil ich bereits an Silvester/Neujahr an der Sonne in Nizza war, aber auch jetzt stehen bereits wieder Tulpen auf dem Esstisch und das Reisefieber in wärmere Gegenden hat mich auch bereits gepackt. Ich bin grad wild im Internet auf der Suche nach günstigen Schnäppchen und hab die Frühlingsferien und Sommerferien schon ziemlich gut verplant. Mich würde gerade der Süden reizen, auf Skiferien hab ich nicht so gross Lust und ist mir gerade auch zu teuer. Ich bin auch fündig geworden, um vorläufig meinen Hunger nach Sonne und Meer zu stillen.

Nice mon amour!

In den Sportferien werden meine Tochter und ich wieder mal nach Nizza fliegen zu einem Schnäppchen-Super-Preis – wer geht schon im Februar nach Nizza!!! Das mag zwar nicht so spannend sein, aber für mich ists und bleibts ein Heimkommen. Und es wird mit rund 15 – 18°C auch angenehmes Ballerina-Wetter haben! Wir werden es dann so richtig geniessen zusammen – gemeinsame Ferien sind unser Kraft-Ort. Wir können viel und intensiv Zeit miteinander verbringen, kuscheln, wann immer wir möchten, spielen, reden, singen und tanzen. Fein essen gehen oder unseren obligaten Spaziergang zum 100jährigen Karussell machen.

Und weil wir seit meine Tochter 3 Monate alt ist mehrmals pro Jahr nach Nizza fahren, müssen wir nichts und dürfen alles – vorallem aber geniessen wir die gemeinsame Zeit.

Lavendelfelder soweit das Auge reicht, Sonnenblumen, die die Köpfe in die Sonne recken, die flimmernde Hitze, die zerklüftete Gorges du Verdun, den hellblauen Lac de Sainte-Croix und die idyllischen Dörfer in der Provence. Das einmal zu sehen, war mein grosser Wunsch.

Sommerferien im Süden zu verbringen, vor allem, wenn man die Gelegenheit hat in Nizza günstig zu wohnen, ist ein Traum. Nizza als Standort ist ausserdem der perfekte Ausgangspunkt für unzählige Ausflüge und Aktivitäten an der mondänen Côte d’Azur. Die Côte im Sommer ist heiss, in der Regel trocken und sehr sonnig. Zwar eignet sich Nizza nicht für klassischen Strand-Urlaub, da es schlicht keinen Sandstrand hat, aber wenn man aktiv sein will, kann man baden, wandern, Velo fahren, Ausflüge in die nähere Umgebung und in die Hügel im Landesinnern machen, auch gibt es viele verschiedene Wassersportmöglichkeiten.

Mein Wunsch war schon immer in die Provence zu fahren. Die Lavendel-Felder anzuschauen, den Lavendelduft einzuatmen und noch mehr von der unglaublichen Landschaft u.a. die Gorges du Verdun zu sehen. Ich habe daher eine kleine Tour geplant, die uns von Nizza, durch die Gorges du Verdun nach Gréoux-les-Bains und weiter nach Roussillon geführt hat. Wir haben dafür je 2 Nächte in Gréoux-les-Bains und Roussillon, in diesen unterschiedlich hoch gelegenen Lavendelgebieten übernachtet. Gréoux-les-Bains ist ein hübsches kleines Dorf und guter Ausgangspunkt für die Erkundungen der Gegend und der Lavendelfelder.

Eindrücklich die Gorges du Verdun

Mit meiner Süssen bin ich aber zuerst durchs Hinterland über normale kurvigen Hauptstrassen durch die Gorges du Verdun gefahren. Die Aussichtspunkte hoch über dem Verdun-Fluss sind schwindelerregend und an vielen Stopps kann man tief unten einen schmalen Fluss sehen. Es ist beeindruckend, wie der Fluss sich den Weg durch die Felsen gesucht hat. Ganz am Ende mündet der Fluss im Lac du Sainte-Croix. Der mit seiner hellblauen Farbe so intensiv leuchtet und einem zum Baden einlädt.

Der Lac de Sainte-Croix

Ein Stück weiter entdeckt man auf dem Weg nach Gréoux-Les-Bains dann das erste Lavendelfeld und ist überrascht, weils so plötzlich auftaucht. Wir sind aber zuerst ins Hotel gefahren und haben uns chic gemacht fürs Znacht. Das Hotel Lou Paradou ist ein einfach 3* Hotel mit einem Pool – war bei der Suche nach dem geeigneten Hotel ein Muss. In diesem kleinen Dorf gibt’s viele nette Restaurants und wir haben in einem Biergarten unter schattigen Bäumen gegessen. Meine Süsse wollte natürlich Chicken-Nuggets mit Pommes und am folgenden Abend gleich nochmals!

Lavendel soweit das Auge reicht.

Am 2. Tag sind wir, bewaffnet mit Spiegelreflexkamera, Handy und Kinderkamera sind wir losgedüst. Ich hab meinem Schatz gesagt – sie sass auf dem Beifahrersitz – sie solle rufen, wenn sie ein Lavendelfeld erspäht. Und nach kurzer Zeit machten wir bereits für das erste Foto einen Halt. Wir sind zum kleinen Mittelalterdorf Moustiers-Sainte-Marie gefahren und haben das hübsche Städtchen mit der Kirche hoch auf dem Berg besichtigt. Dann ging die Fahrt weiter zum Badestopp am Lac de Sainte-Croix. Der See war angenehm warm und flach. Abends fuhren wir zurück ins Hotel nach Géroux-les-Bain.

Nach dem Frühstück sind wir über die Hügel nach Roussillon gefahren. In Roussillon wurde oder wird Okker abgebaut und ein grosser Park führt durch den farbigen Sand und Gesteinsformationen. Weisse Schuhe sei hier gesagt eignen sich nicht für den Spaziergang! Wir haben im Pool im Hotel gebadet, später fein Znacht gegessen – diesmal Lasagne.

Eindrücklich die Abtei mit dem Lavendelfeld

Der Höhepunkt war dann die Fahrt zur Abtei Notre-Dame de la Sénanque. Die Abtei liegt mitten in malerischen Lavendelfeldern und ist ein Must. Bereits im Jahre 1148 von Zisterziensermönchen gegründet. Sie wird heute noch von Mönchen bewohnt. Wir wurden bereits am Eingang von Freiwilligen begrüsst und in ein nettes Gespräch über den Glauben verwickelt. Auf meine Süsse haben sie natürlich speziell angesprochen – schade kann sie noch nicht französisch sprechen. In der Abtei sind einige Räume zur Besichtigung zugänglich. Das Dormitorium, der Kapitelsaal, das Refektorium, sowie den Kreuzgang kann man anschauen. Die Abtei ist schlicht und doch imposant, wie sie da in der Talsohle vor dem Lavendelfeld tront. Weit ab vom Verkehr oder dem nächsten Dorf. Sie hat sich zum Wahrzeichen der Provence entwickelt und leider finden immer mehr Touristen den Weg dorthin. Vor allem zur Lavendelblüte im Juni – Juli. Da es sich um ein Kloster und Gotteshaus handelt ist angemessene Kleidung Pflicht.

Der nackte Mont Ventoux – ein Radlerparadies

Nach dem obligaten Baden im Pool und dem Znacht – wieder Lasagne für meine Süsse – haben wir die wunderbare Landschaft, die Wärme und den Sonnenuntergang genossen. Am letzten Tag unserer Tour haben wir noch einen Abstecher nach Sault – dem Zentrum des Lavendel-Anbaus gemacht und nicht nur das hübsche Dorf besichtigt, sondern tolle Fotos auf dem Sentier de la Lavende gemacht. Und verrückt wie ich halt bin, die Strecke auf den Mont Ventoux unter die Räder genommen. Vorbei an x Radrennfahrern, die diesen legendären Berg mit dem weissen Steingipfel mit dem Rad bezwingen wollen. Zurück gings über Aix-en-Provence nach Nizza.

Unsere Rundreise

Die Reise war traumhaft. Mit meiner Süssen reist es sich leicht. Sie sass im Auto auf dem Beifahrersitz, hat rauf und runter ihre eigene Auswahl an Kasperli-Theater, Bibi Blocksberg und Schwiizergoofe gehört und wann immer sie Hunger oder Durst hatte, machten wir Rast und haben gepicknickt. Auch Abends auswärts zu essen, sich vorher chic zu machen, kein Problem. Sie ist wie ich ein erprobtes Reisefüdli. Dennoch muss ich im Nachhinein sagen, die Reise war anspruchsvoll für mich – alles selber organisieren, buchen, packen, fahren, die Kleine bespassen, schauen, dass sie genügend zu Essen, Trinken und Unterhaltung hat und auch auf ihre Kosten kommt. Das ist nicht ganz ohne. Aber sowohl sie als auch ich brauchen diese Nähe, die wir in den Ferien haben. Die Zeit zusammen, einfach wir beide unterwegs, ohne Plan, ohne Termin, ohne Alltag. Kuscheln, wann immer man will. Genau das brauchen wir.