Lavendelfelder soweit das Auge reicht, Sonnenblumen, die die Köpfe in die Sonne recken, die flimmernde Hitze, die zerklüftete Gorges du Verdun, den hellblauen Lac de Sainte-Croix und die idyllischen Dörfer in der Provence. Das einmal zu sehen, war mein grosser Wunsch.

Sommerferien im Süden zu verbringen, vor allem, wenn man die Gelegenheit hat in Nizza günstig zu wohnen, ist ein Traum. Nizza als Standort ist ausserdem der perfekte Ausgangspunkt für unzählige Ausflüge und Aktivitäten an der mondänen Côte d’Azur. Die Côte im Sommer ist heiss, in der Regel trocken und sehr sonnig. Zwar eignet sich Nizza nicht für klassischen Strand-Urlaub, da es schlicht keinen Sandstrand hat, aber wenn man aktiv sein will, kann man baden, wandern, Velo fahren, Ausflüge in die nähere Umgebung und in die Hügel im Landesinnern machen, auch gibt es viele verschiedene Wassersportmöglichkeiten.

Mein Wunsch war schon immer in die Provence zu fahren. Die Lavendel-Felder anzuschauen, den Lavendelduft einzuatmen und noch mehr von der unglaublichen Landschaft u.a. die Gorges du Verdun zu sehen. Ich habe daher eine kleine Tour geplant, die uns von Nizza, durch die Gorges du Verdun nach Gréoux-les-Bains und weiter nach Roussillon geführt hat. Wir haben dafür je 2 Nächte in Gréoux-les-Bains und Roussillon, in diesen unterschiedlich hoch gelegenen Lavendelgebieten übernachtet. Gréoux-les-Bains ist ein hübsches kleines Dorf und guter Ausgangspunkt für die Erkundungen der Gegend und der Lavendelfelder.

Eindrücklich die Gorges du Verdun

Mit meiner Süssen bin ich aber zuerst durchs Hinterland über normale kurvigen Hauptstrassen durch die Gorges du Verdun gefahren. Die Aussichtspunkte hoch über dem Verdun-Fluss sind schwindelerregend und an vielen Stopps kann man tief unten einen schmalen Fluss sehen. Es ist beeindruckend, wie der Fluss sich den Weg durch die Felsen gesucht hat. Ganz am Ende mündet der Fluss im Lac du Sainte-Croix. Der mit seiner hellblauen Farbe so intensiv leuchtet und einem zum Baden einlädt.

Der Lac de Sainte-Croix

Ein Stück weiter entdeckt man auf dem Weg nach Gréoux-Les-Bains dann das erste Lavendelfeld und ist überrascht, weils so plötzlich auftaucht. Wir sind aber zuerst ins Hotel gefahren und haben uns chic gemacht fürs Znacht. Das Hotel Lou Paradou ist ein einfach 3* Hotel mit einem Pool – war bei der Suche nach dem geeigneten Hotel ein Muss. In diesem kleinen Dorf gibt’s viele nette Restaurants und wir haben in einem Biergarten unter schattigen Bäumen gegessen. Meine Süsse wollte natürlich Chicken-Nuggets mit Pommes und am folgenden Abend gleich nochmals!

Lavendel soweit das Auge reicht.

Am 2. Tag sind wir, bewaffnet mit Spiegelreflexkamera, Handy und Kinderkamera sind wir losgedüst. Ich hab meinem Schatz gesagt – sie sass auf dem Beifahrersitz – sie solle rufen, wenn sie ein Lavendelfeld erspäht. Und nach kurzer Zeit machten wir bereits für das erste Foto einen Halt. Wir sind zum kleinen Mittelalterdorf Moustiers-Sainte-Marie gefahren und haben das hübsche Städtchen mit der Kirche hoch auf dem Berg besichtigt. Dann ging die Fahrt weiter zum Badestopp am Lac de Sainte-Croix. Der See war angenehm warm und flach. Abends fuhren wir zurück ins Hotel nach Géroux-les-Bain.

Nach dem Frühstück sind wir über die Hügel nach Roussillon gefahren. In Roussillon wurde oder wird Okker abgebaut und ein grosser Park führt durch den farbigen Sand und Gesteinsformationen. Weisse Schuhe sei hier gesagt eignen sich nicht für den Spaziergang! Wir haben im Pool im Hotel gebadet, später fein Znacht gegessen – diesmal Lasagne.

Eindrücklich die Abtei mit dem Lavendelfeld

Der Höhepunkt war dann die Fahrt zur Abtei Notre-Dame de la Sénanque. Die Abtei liegt mitten in malerischen Lavendelfeldern und ist ein Must. Bereits im Jahre 1148 von Zisterziensermönchen gegründet. Sie wird heute noch von Mönchen bewohnt. Wir wurden bereits am Eingang von Freiwilligen begrüsst und in ein nettes Gespräch über den Glauben verwickelt. Auf meine Süsse haben sie natürlich speziell angesprochen – schade kann sie noch nicht französisch sprechen. In der Abtei sind einige Räume zur Besichtigung zugänglich. Das Dormitorium, der Kapitelsaal, das Refektorium, sowie den Kreuzgang kann man anschauen. Die Abtei ist schlicht und doch imposant, wie sie da in der Talsohle vor dem Lavendelfeld tront. Weit ab vom Verkehr oder dem nächsten Dorf. Sie hat sich zum Wahrzeichen der Provence entwickelt und leider finden immer mehr Touristen den Weg dorthin. Vor allem zur Lavendelblüte im Juni – Juli. Da es sich um ein Kloster und Gotteshaus handelt ist angemessene Kleidung Pflicht.

Der nackte Mont Ventoux – ein Radlerparadies

Nach dem obligaten Baden im Pool und dem Znacht – wieder Lasagne für meine Süsse – haben wir die wunderbare Landschaft, die Wärme und den Sonnenuntergang genossen. Am letzten Tag unserer Tour haben wir noch einen Abstecher nach Sault – dem Zentrum des Lavendel-Anbaus gemacht und nicht nur das hübsche Dorf besichtigt, sondern tolle Fotos auf dem Sentier de la Lavende gemacht. Und verrückt wie ich halt bin, die Strecke auf den Mont Ventoux unter die Räder genommen. Vorbei an x Radrennfahrern, die diesen legendären Berg mit dem weissen Steingipfel mit dem Rad bezwingen wollen. Zurück gings über Aix-en-Provence nach Nizza.

Unsere Rundreise

Die Reise war traumhaft. Mit meiner Süssen reist es sich leicht. Sie sass im Auto auf dem Beifahrersitz, hat rauf und runter ihre eigene Auswahl an Kasperli-Theater, Bibi Blocksberg und Schwiizergoofe gehört und wann immer sie Hunger oder Durst hatte, machten wir Rast und haben gepicknickt. Auch Abends auswärts zu essen, sich vorher chic zu machen, kein Problem. Sie ist wie ich ein erprobtes Reisefüdli. Dennoch muss ich im Nachhinein sagen, die Reise war anspruchsvoll für mich – alles selber organisieren, buchen, packen, fahren, die Kleine bespassen, schauen, dass sie genügend zu Essen, Trinken und Unterhaltung hat und auch auf ihre Kosten kommt. Das ist nicht ganz ohne. Aber sowohl sie als auch ich brauchen diese Nähe, die wir in den Ferien haben. Die Zeit zusammen, einfach wir beide unterwegs, ohne Plan, ohne Termin, ohne Alltag. Kuscheln, wann immer man will. Genau das brauchen wir.